Gemeinde Chamerau

Asylhelfer„Einfach eine Herzensangelegenheit“

Lob für die Asylhelfer in Chamerau - Deutsch-Unterricht für erste Schritte im fremden Land

Chamerau. Seit einigen Monaten leben in Chamerau drei Familien aus der Ukraine und eine Familie aus Syrien. Am Sonntag trafen sich erstmals die in Chamerau untergebrachten Asylanten und die Pfarrgemeinde auf Einladung des Helferkreises im Pfarrheim zu einem zwanglosen Beisammensein. Nach dem Friedensgebet in deutscher und arabischer Sprache in der Pfarrkirche bestand anschließend die Möglichkeit, bei einem Imbiss, zu dem auch die asylsuchenden Familien mit Speisen aus ihren Herkunftsländern beitrugen, Kontakte zu knüpfen und sich auszutauschen.
Stell’ Dir vor,Du wärst ein Flüchtling!
Das Thema „Flüchtlinge” beschäftigt nicht nur die Medien, sondern auch die Jugendlichen der Pfarrei Chamerau, wie sich erfreulicherweise an der Großen Zahl der anwesenden am Sonntag feststellen lies. Es zeigte sich, wie interessiert die junge Generation an unserer Gesellschaft und ihrer Problematik ist. Viele mahnten dazu, sich einmal in die Lage der bedrängten Menschen hineinzuversetzen.
Im Namen des großen Helferkreises für Asylbewerber begrüßte Gabi Vielsmaier im Pfarrheim die annähernd 100 Pfarrangehörigen zur ersten Zusammenkunft mit den Asylsuchenden in Chamerau und stellte die Familien einzeln vor.  Vielsmaier zog ein positives Resümee der vergangenen Monate. Im Juni sind die ersten Flüchtlinge in einem Haus mitten im Dorf eingetroffen und werden seitdem von vielen freiwilligen Helfern betreut und unterstützt.
Wie in vielen anderen Gemeinden des Landkreises Cham wurde auch in Chamerau Anfang Juni eine Gruppe von Asylbewerbern einquartiert. 14 Personen leben in einem Wohnhaus mitten im Dorf zusammen. Es handelt sich um drei Familien aus der Ukraine und eine syrische Familie. Es sind sechs Kinder im Alter von eineinhalb bis zwölf Jahren unter ihnen.
Von Anfang an nahmen spontan einige Chamerauer, die teilweise in der Nachbarschaft leben, Kontakt zu den Neuankömmlingen auf, besuchten sie, machten einen ersten Dorfrundgang mit ihnen, informierten sie über den öffentlichen Nahverkehr und über einiges mehr.
Es kamen weitere Helfer dazu, und mittlerweile hat sich ein fester Kreis von 12 bis 14 Mitgliedern gebildet, die in verschiedensten, teilweise sehr zeitaufwendigen Bereichen die Asylbewerber unterstützen. Es werden Arztbesuche und Fahrten zur Chamer Tafel organisiert, der Schul- und Kindergartenbesuch wird begleitet, die Asylbewerber werden zu Angeboten des Sportvereins und anderer Vereine eingeladen, und vieles mehr.
Absolute Priorität hat jedoch der Erwerb der deutschen Sprache, ohne den weder Beschäftigung noch Integration möglich seien. Was die Kinder in Schule und Kindergarten relativ schnell schaffen, nämlich sich zumindest ausreichend verständlich zu machen und mit Gleichaltrigen zu kommunizieren, ist für Erwachsene ungleich schwerer. Nicht nur die Sprache Deutsch ist kompliziert zu erlernen, es muss auch eine neue Schrift gelernt werden (in der Ukraine schreibt man kyrillisch und in Syrien arabisch). Da es für Asylbewerber kein Unterrichtsangebot seitens der öffentlichen Hand gibt, musste also Sprachunterricht auf ehrenamtlicher Basis organisiert werden. Vier Sprachlehrerinnen und zwei pensionierte Lehrer unterrichten derzeit die erwachsenen Asylbewerber in zwei Gruppen (Anfänger und Fortgeschrittene) jeweils sechs Stunden pro Woche in ihrer Freizeit. Da die Motivation und der Fleiß der Teilnehmer überdurchschnittlich sind, haben alle Beteiligten viel Freude dabei.
Alle Mitglieder des Arbeitskreises „Asylhelfer" stehen in regelmäßigem Kontakt mit ihren Schützlingen, nehmen an ihren Sorgen und Nöten teil und helfen bei akuten Problemen. Bisweilen muss auch vermittelt werden, da das Zusammenleben verschiedener Ethnien auf so engem Raum nicht immer reibungslos vonstattengeht. Die Asylhelfer arbeiten aber gut zusammen, sind in regelmäßigem Kontakt und halten turnusmäßig treffen zum Gedanken-und Erfahrungsaustausch ab. Alle Asylhelfer konnten durchwegs nur von guten Erfahrungen berichten und bringen nun vielen der Flüchtlinge hohes Vertrauen entgegen.
Spendenbereitschaft in der Bevölkerung ist groß
In einer kurzen Begrüßungsrede hat Bürgermeister Stefan Baumgartner den Stand der Dinge in Sachen Asyl, und welche Aufgaben dabei auf die Gemeinde bisher zukamen und noch zukommen werden, gesprochen. Das Gemeindeoberhaupt war sehr erfreut, dass die Integration bei uns in Dorf gelebt wird. In den Medien wird alles mit Angst, Missmut und Vorurteilen schlecht dargestellt. Chamerau ist dabei aber ein gutes Beispiel, das es auch anders geht. Derzeit sei es ein großes Anliegen, den Hilfesuchenden aus den fernen Ländern zu helfen. Das bedeute für Baumgartner Hilfestellung, Beratung und Unterstützung in der Alltagsbewältigung zu leisten. Es sei kein Leichtes für die Menschen, sich in der neuen Gesellschaft und Umgebung einzugewöhnen. Vieles sei unendlich fremd und die Unsicherheit sehr groß. Für die Hilfe, die den Asylsuchenden bei den täglichen Aufgaben gewährt wird, bedankte sich Bürgermeister Baumgartner, besonders bei Gabi Vielsmaier und ihrem Helferstab. „Ich habe größten Respekt vor der Leistung, die ihr Ehrenamtlichen vor Ort erbringt“
Ein gutes Zeichen sei die große Anzahl an Helfern, von denen mehr aktiv sind als Asylsuchende in Chamerau sind. An die Asylsuchenden gerichtet, bestätigte Baumgartner, dass sie im Gemeindeleben fast nicht auffallen, was wiederum als Positiv zu bewerten sei. Die Gemeinde versuche alles Mögliche um den Asylanten das Leben in der Gemeinde zu erleichtern, jedoch die größte Arbeit verbringen sicherlich die ehrenamtlichen Helfer. Zum Abschluss seiner Rede verwies Baumgartner darauf, dass die Integration von Flüchtlingen eine langfristige Herausforderung sei. „Ab dem Augenblick ihres Eintreffens sind diese Menschen unsere Mitbürger”, betonte er.  Ab Montag wird im Bauhof ein Asylsuchender als Helfer eingesetzt. Auf Anfrage aus der Bevölkerung zwecks finanzieller Unterstützung der Asylanten hat die Gemeinde ein Spendenkonto eingerichtet, und zwar bei der Sparkasse Cham mit der Kontonummer 240 100 016 unter der Bankleitzahl 742 510 20.Spenden können unter dem Kennwort „Asylhelfer“ jederzeit eingezahlt werden.
Aufräumen mit Vorurteilen
Bei der ersten Zusammenkunft im Pfarrheim die dankenswerter weise Pfarrer Limbrunner zur Verfügung stellte, kommen die Asylhelfer bei ihrem Informationsaustausch mit den Pfarrangehörigen von einem Thema zum anderen, einige Male müssen sie sich schon fast bremsen. Damit einher geht jedoch die Erkenntnis, dass der Austausch forciert werden müsste. Die meistgestelle Frage an die Helfer war an diesem Tag: Was bewegt sie zum Helfen? „Ganz einfach, es ist eine Herzensangelegenheit”, erklärten alle einstimmig und ernteten dafür tiefe Zustimmung.  „Wo jemand in Not ist, hilft man eben”, sagen alle pragmatisch. Unterschiede, ob die Menschen eine Chance darauf haben, hierzubleiben oder nicht, kennt keiner aus den Helferkreisen. Selbst, wenn sie zurückgehen müssen, sollen die Flüchtlinge das Gefühl mitnehmen, willkommen gewesen zu sein. Das werfe auch ein gutes Licht auf Deutschland. Ein Kontakt sei geknüpft, ergänzt seine Frau, dass ja dann vielleicht im Heimatland Hilfe dargebracht werden könne. Sie findet, dass auch das Engagement für diejenigen, die nicht bleiben könnten, ein wichtiger Beitrag in Sachen Völkerverständigung sei. Große Begriffe für großes Engagement, das im Kleinen wirkt. Ein Kontakt sei geknüpft dass ja dann vielleicht im Heimatland Hilfe dargebracht werden könne. Dass auch das Engagement für diejenigen, die nicht bleiben könnten, ein wichtiger Beitrag in Sachen Völkerverständigung sei. Große Begriffe für großes Engagement, das im Kleinen wirkt. In diesem Zusammenhang steht auch das „Thema Angst“, das eine Bürgerin ansprach. „Fremdes macht Angst. Und wenn wir sie integrieren wollen oder müssen, dann müssen wir uns mit ihnen bekannt machen“, gab sie zu bedenken. Es sei wichtig, die andere Denkweise zu verstehen und kennenzulernen und dadurch Ängste abzubauen, denn „wir müssen mit ihnen leben und sie mit uns“.
Nachdem die ersten Berührungsängste  mit den „Fremden“ abgebaut waren, kamen sich bei einer lockeren Unterhaltung alle anwesenden, unterstützt durch die Mitglieder des Helferkreises immer näher. Die Asylsuchenden berichteten über Sorgen und Nöte, von Krieg und Gewalt in ihrer Heimat, aber auch über das positive, bereits in der Gemeinde erlebte. Viele sind von den Erlebnissen in ihrer Heimat und der meist gefährlichen Flucht noch traumatisiert. Auch herrsche immer noch die Vorstellung des „vergoldeten Gebisses” von Asylanten. Richtig sei, dass sie wie Obdachlose nur eine Schmerzbehandlung erhalten, egal, ob ein Schneidezahn fehlt. Angesprochen und Aufgeräumt wurde aber auch mit den gängigen Klischees, wonach die Flüchtlinge „alle die neuesten Handys” hätten und „schick gekleidet” seien. In den Herkunftsgebieten seien Handys üblich und Festnetzanschlüsse in entlegenen Gebieten eher selten. Handys seien unverzichtbar, um die Flucht zu organisieren und Kontakt zu den Daheimgebliebenen zu halten.
Zum Abschluss des Beisammenseins sangen die Kinder der Asylanten begleitet von „Asylhelfer“ Peter Fleckenstein noch das Kinderlied „Auf der Mauer, auf der Lauer sitzt 'ne kleine Wanze“ in deutscher Sprache. Für diese auf die kurze Zeit des Einübens erbrachte Leistung erhielten die Kinder tosenden Applaus.