Das Ende einer Ära

12. März 2026: Nach 67 Jahren: Der Kleintierzuchtverein Chamerau wird stillgelegt
Mitglieder

 Der Vorsitzende Klaus Lex hatte zu dieser wichtigen Hauptversammlung geladen – es kamen elf Mitglieder. Er sah keinen Spielraum für eine Weiterführung des 1959 gegründeten Vereins.

Schriftführer Josef Baumgartner trug die wichtigsten Punkte des Protokolls der letzten Jahreshauptversammlung vor und gab einen Überblick über die Entscheidungen und Beschlüsse. Dieser Bericht diente als Grundlage zur Diskussion während der Jahresversammlung.

Detlef Schumann berichtete als Schatzmeister über die Kassengeschäfte. Erfreulich war dabei, dass die Ausgaben geringfügig unter den Einnahmen lagen. Die beiden Kassenrevisoren Willi Haller und Maria Brandl bescheinigten eine ordentliche Kassenführung.

Verbreitetes Hobby bis Ende der 1980er Jahre

Es folgte ein längerer Bericht des kommissarischen Vorsitzenden zur Vereinsauflösung mit Erläuterungen der Hintergründe. Die Kleintierzucht habe nicht mehr den Stellenwert wie in den 50er und 60er Jahren, so Klaus Lex. „Moderne Freizeitbeschäftigungen haben unser Hobby, das zeit- und arbeitsaufwendig ist, in den Hintergrund gedrängt. In schönen Gärten ist kein Platz mehr für das Geflügel“, bedauerte der Vorsitzende. Die Hoffnung, Kinder und Jugendliche in den Verein zu integrieren, habe sich nicht ansatzweise erfüllt, keine Neumitglieder sind dem Verein beigetreten. Geblieben sei ein kleiner harter Kern, der sich jedoch wegen fehlender Tier- und Züchterzahlen nicht mehr an den Vereinskonkurrenzen des Verbandes beteiligen könne.

„Ich denke an meine Kindheit zurück. Hier hatte jedes zweite Haus einen Kaninchen- oder Hühnerstall. Eier von den eigenen Hühnern und ein Kaninchenragout am Sonntag waren feste Bestandteile unseres Speiseplans. Die Kleintierzucht war damals ein entscheidender Faktor in unserer Ernährungskette. Die Umstellung von der reinen Fleischproduktion hin zu Rassezuchten war ein Leichtes: Ein gut punktiertes Tier brachte mehr Geld ein als ein geschlachtetes – und dies bei gleicher Fütterung und Pflege“, schilderte Lex.

Bis Ende der 1980er Jahre sei die Kleintierzucht ein weitverbreitetes Hobby gewesen. Ab etwa 1990 habe der Zerfall der Kleintierzucht eingesetzt und die Anzahl der Züchter habe unerwartet schnell abgenommen. „Betrachten wir alle Kosten, die die Kleintierzucht verursacht, hat sie sich von der kostendeckenden Selbsternährung zu einem teuren und aufwendigen Hobby gewandelt“, schilderte er weiter.

Formalitäten mit Finanzamt klären

Der Vorsitzende ging auf die derzeit aktuelle Situation des Vereins ein und darauf, welche Alternativen es zu einer Stilllegung oder Auflösung gibt.

Bei einer Stilllegung würde nach seinen Recherchen die Gemeinde Chamerau das Vereinsguthaben erhalten – unter der Auflage, bei einer Wiedergründung in den folgenden fünf Jahren dieses dem Verein zurückzugeben. Wenn sich sieben Mitglieder fänden, könnte nach einer Stilllegung der Verein wiedergegründet werden. Bei einer endgültigen Auflösung des Vereins nach fünf Jahren würde das Vereinsvermögen an den Kindergarten „Villa Kunterbunt“ gehen.

Bei der Abstimmung votierten alle anwesenden Mitglieder für die Stilllegung mit einer weiteren Auflösung des Vereins. Die beiden Vorsitzenden, Klaus Lex und Manfred Pollak, wurden mit der Verantwortung betraut, die erforderlichen Schritte bis zum Jahresende in Zusammenarbeit mit dem Finanzamt durchzuführen.

Es gehe jedoch nicht nur um Formalitäten, sondern auch darum, dem Verein mit seinen noch vier verbliebenen Ehrenmitgliedern einen würdigen Abschied zu bereiten. Mit der Auflösung des KLZV Chamerau verliere der Landkreis einen weiteren Hüter der Rassegeflügel- und Kaninchenzucht. Der Kleintierzuchtverein Chamerau, der am 8. März 1959 gegründet wurde, steht nun vor dem Aus.