Jetzt kracht’s wieder
Die vertrauten Laute hallen wieder über den Seitenarm des Regen: „A Maß brauch ma“, tönt es gelegentlich. Der nächste Schütze atmet tief durch, konzentriert sich auf sein Ziel. Anfeuerungsrufe der Zuschauer schwirren durch die kalte Winterluft, als die Moarführer versuchen, den entscheidenden Schub mit aller Macht zu beeinflussen. „Hypnose“ mit Händen und Füßen wird betrieben, während Bravo-Rufe die Stimmung anheizen. „Da hast du an Dusel g’habt“, freuen sich die einen über einen glücklichen Schuss, während die anderen klagen: „Der duad aber langsam!“
Eintritt wird von den Zuschauern nicht erhoben, also ein billiges Vergnügen – und doch hat dieses einfache Spiel ein sportliches Niveau, das alle begeistert. Besonders die älteren Eisstockschützen erinnern sich lebhaft an die alten Zeiten, als ihre Väter mit viel Enthusiasmus dem gleichen Sport frönten.
Damals war ein Eisstock noch eine runde, gedrechselte Holzscheibe vom „Wonga“ oder „Draxler“, eingebunden mit einem Eisenring des Schmieds und einem einfachen Aststück als Stiel. Wenige Regeln zu beachtenAuf dem neben dem Regen gelegenen Seitenarm in Chamerau räumte man regelmäßig eine Eisfläche frei – und an jedem Ende legte man ein viereckiges Holzstück als Daube. Um die beiden Mannschaften zu unterscheiden, wurde am Stiel für die Weiten ein Band oder Gummi angebracht. So war alles bereit für das Wettkampfgeschehen. Das Spiel selbst ist recht locker – nur wenige Regeln gibt es zu beachten. Und doch steckt oft ein großer Ehrgeiz dahinter, besser zu zielen oder den gegnerischen Stock vom Feld zu schießen. Häufig kommt es vor, dass man nicht abschätzen kann, welcher Stock nun am nächsten zur Daube steht. Dann geht es ans Messen – mit einer Schnur wird der Abstand überprüft. So spielte man fast täglich in den frostigen Wintermonaten in Chamerau, es war keine Seltenheit, dass ein Eisenring brach, oder die Holzscheibe durch eine kräftige Schusseinwirkung zertrümmert wurde. Am häufigsten jedoch geschah es, dass der Stiel einfach über der Holzscheibe abbrach. So zieht das Eisstockschießen auch in diesem Jahr wieder viele Menschen an – und die gute alte Zeit lebt in den Herzen der Teilnehmer weiter.