Geschichte der Regenbrücke

19. Mai 2020 : Lange Zeit kämpfte Chamerau darum, trockenen Fußes über den Regen zu kommen. 1840 wurde dann ein Steg gebaut.

 Chamerau. Wer in früheren Zeiten trockenen Fußes einen Fluss überqueren wollte, musste oft meilenweite Märsche hinter sich bringen, ehe er auf eine Brücke oder einen Steg traf. Die Chamerauer Burgherren mögen es vielleicht gar nicht so ungern gesehen haben, dass sie den Regen vor ihrer Haustür hatten und ungebetene Gäste nicht so ohne weiteres vor dieser erscheinen konnten.

 Wer von einem Ufer zum anderen gelangen wollte, musste eine Furt suchen. Eine solche gab es in Chamerau unterhalb der jetzigen Brücke, etwa auf Höhe der letzten Häuser am Anger und der östlichen Friedhofsmauer. Für die Beförderung von Personen kamen Floße oder eine "Zilln" zum Einsatz. Nur für Fußgänger bestand ein schmaler Holzsteg an der Stelle der heutigen Brücke. Dieser Steg wurde aber bei Einbruch des Winters meist abgebrochen. Trat der Winter vorzeitig ein und war ein Abbruch des Steges nicht mehr möglich, wurde derselbe nicht selten beim Eisgang fortgerissen.

 Eis riss erste Brücke oft weg

 Wegen der Anlage der Mühlschleuse an der Mühlwasserwehr durch den Staat konnte die Regenfurt zum Fuhrwerksverkehr nicht mehr gut benutzt werden. Man schritt dann zur Erbauung einer hölzernen Brücke and der Stelle der heutigen. Der Staat gab zur Erbauung einer Holzbrücke einen einmaligen Zuschuss von 800 Gulden. Die Gemeinde musste aber damit auf weitere Inanspruchnahme von Staatsbeiträgen für die Brücke verzichten.

 Man glaubte, der Unterhalt der hölzernen Brücke bilde keine besondere finanzielle Belastung, da ja das sogenannte Stegholz in der Urleiten mit seinen etwa zwölf Tagewerk genügend Bauholz für die Brücke liefere. Aber der Eisgang im Winter brachte sehr oft große Beschädigungen für die Brücke, so dass der Reichtum an Brückenbauholz aus dem Stegholz in Urleiten  zu schnell erschöpft war. So wandte sich die Gemeinde erneut an den Staat und ersuchte um Erbauung von steinernen Brückenpfeilern.

 Der damalige Abgeordnete das Wahlkreises, ein Herr Dr. Ratzenger nahm sich gemeinsam mit einem Herrn Schierer um die wegleistungsfähige Gemeinde Chamerau sehr tatkräftig an, und so  wurden sämtliche Kosten für die steinernen Brückenpfeiler von der Staatskasse übernommen. Die Brückenauflage blieb aber weiterhin aus Holz.

 Die eigentliche Geschichte der alten Regenbrücke beginnt aber erst später, genauer gesagt am 27. September 1885, mit ihrer Einwilligung. Mehrmals hat sie im Laufe der Zeit ihr Aussehen verändert. Ihre Tragkraft wurde verstärkt, der zunehmend größeren Belastung des Verkehrs angepasst, von der ihr durch den Bau der neuen Brücke aber nun viel abgenommen wurde. "Auswärtige" wurden ab 1904 zur Tilgung der Restschulden durch einen "Brückenzoll" zur Kasse gebeten. 

 Weil die Brückenauflage weiterhin aus Holz bestand, war die Freude bald getrübt. Immer wieder mussten Ausbesserungen vorgenommen werden, so dass das ohnehin ausgeplünderte Stegholz kaum mehr brauchbare Stämme für die Reparaturen liefern konnte.  Morsche Pfosten mussten lange auf Ersatz warten, so dass es vorkam, dass Tiere beim Überqueren der Brücke durch Löcher traten und sich verletzten.

 Eine erneute Änderung der Konstruktion wurde notwendig. Diesmal entschieden sich die Fachleute für einen Belag aus Eisenbeton. Die Montage wurde der Firma Kramer & Klett aus Nürnberg übertragen. Ein gutes Jahr nach der Einweihung wurde 1896 die Brücke mit betoniertem Fahrbahnbelag dem Verkehr übergeben. 

 20 000 Mark hatte die Staatskasse zugeschossen, den Rest der Baukosten aber musste die Gemeinde selbst aufbringen. Er war wohl nicht unerheblich - denn das Dorf musste dafür ein Darlehen über 42 Jahre aufnehmen. Anfänglich wurde die Rückzahlung durch eine 75-prozentige Gemeindeumlage finanziert.

 Brückenzoll und Bierpfennig

 Als sich herausstellte, dass die Umlage für eine Deckung nicht ausreichte, wurde ab 1904 ein Brückenzoll für "Externe" eingeführt. Zusätzlich erhob man einen "Bierpfennig" - pro Hektoliter 60 Mark. Die Brücke überstand den Krieg ohne Schaden. Die vielen Schwierigkeiten aber, die die Brücke den Chamerauern bereitet hatte, waren es, dass es Bedenken seitens des Gemeinderats gab, als eine Übernahme der Baulast wieder durch die Gemeinde im Gespräch war, nachdem ja klar war, dass man Brückenzoll und Bierpfennig, um Ausgaben für sie decken zu können, nicht wieder einführen konnte.

 Am 1. Juli 1957 begann dann aber doch der Erweiterungsbau der Regenbrücke. Er verlieh ihr das Aussehen, das sie heute noch hat. Sechs Monate dauerte der von den Firmen Wanninger aus Cham und der Schiffswerft Deggendorf übernommene Auftrag, bis den Chamerauern dann am 15. Dezember 1957 ein schönes Weihnachtsgeschenk gemacht werden konnte.

 Die Brücke hat die nachfolgenden Jahre ohne größere Schäden überstanden, konnte aber die zunehmende Verkehrsbelastung in den folgenden Jahren nicht abwehren, die ihr erst im Jahre 1988 mit dem Bau der neuen Regenbrücke abgenommen wurden, gleichzeitig aber auch den Titel einer "Staatsstraße-Brücke" erhielt.

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