Sänger luden zur Sitzweil ein

30. Juli 2019 : Der Schloßbugl wurde zum Treffpunkt eines Volksmusikabends. Die Chamerauer Sänger ließen Minnegesang lebendig werden.

Chamerau. In Anlehnung an die 1000-Jahr-Feier der Gemeinde Chamerau vom 5. Juli bis 8. Juli trafen sich die vier Chamerauer Sänger mit ihren Frauen auf dem Schloßbugl, der eine lange Geschichte bis in die Ritterzeit in Chamerau aufweisen kann. Am Donnerstagabend waren nun die vier Sänger Klaus Meitert, Klaus Irrgang, Sepp Nachreiner und Gerhard Fichtinger als "Minnesänger", wie dies vor 1000 Jahren üblich war, auf dem Schloßbugl.

Gleichwohl unterscheidet sich der Gesang von damals gewaltig. Ob beim geselligen Zusammensein oder beim Essen, der Minnesang gehörte ab dem 12. Jahrhundert bei Hofe dazu. Wer als Burgherr etwas auf sich hielt, ließ Lieder über Frauen und die unerreichbare Liebe spielen und singen. Als Minnesang bezeichnet man die deutschsprachige höfische Liebeslieddichtung von etwa 1150 bis 1350. Der mittelhochdeutsche Begriff "minne" ist zwar grundsätzlich sehr weit zu fassen und reicht vom freundlichen Gedenken über Zuneigung, Freundschaft bis hin zur Verehrung. Volksmusik ist eine der lebendigsten Formen der Brauchtumspflege.

Zahlreiche Volksmusikgruppen im Landkreis Cham blicken auf eine langjährige Tradition zurück. Dazu gehören auch die Chamerauer Sänger, die im März 2012 ihr 40-jähriges Bestehen feierten. In den über viereinhalb Jahrzehnten ihres Bestehens hat sich die Besetzung nur geringfügig geändert. 1978 schied Gerhard Fichtinger aus beruflichen Gründen aus und Günther Rasche nahm seinen Platz ein. Über 30 Jahre lang war Günther Rasche mit seiner markanten Bassstimme ein Garant für wohlklingende Männerviergesang. 

Erster Auftritt im Jahr 1972 

Nach einer einjährigen Pause haben sich die Chamerauer Sänger entschlossen, wieder aktiv zu werden. Mit Anschluss des früheren Mitglieds Gerhard Fichtinger war das Quartett wieder komplett. Ihren ersten offiziellen Auftritt hatten die Chamerauer Sänger 1972 bei einem Geburtstagssingen im Gasthaus Baumgartner. Sie brauchten schon damals keinen Grund, um zu singen und zu feiern, die vier "Chamerauer Sänger" Klaus Meitert, Klaus Irrgang, Sepp Nachreiner und Gerhard Fichtinger.

Seit einigen Jahren suchen die Chamerauer Sänger immer wieder schöne Aussichtspunkte mit Blick auf Chamerau aus, um dort mit ihren Frauen eine gemütliche Sitzweil zu veranstalten. Dieses Jahr war es der Schloßbugl von Chamerau, auf dem einmal eine große Burg stand. Bei sommerlichen Temperaturen und mit guter Laune, ging es also auf die markanteste Erhöhung von Chamerau. Mit dabei waren die Sängerfrauen und Nahrungsmittel - auch in flüssiger Form. Natürlich durfte das Akkordeon von Klaus Meitert nicht fehlen. Angekommen am Ziel, erfreute sich die illustre Gesellschaft an Speis und Trank, bevor die Vier einige schöne Weisen aus ihrem reichhaltigen Liedgut erklingen ließen, begleitet wurden sie von Sänger Klaus Meitert am Akkordeon. 

Chamerauer Heimatlied erklang

Nach de ersten Lied "Bei da Lindn bin i gsessn", und weiteren schönen Liedern erklang unter anderem das Chamerauer Heimatlied mit dem Text passend zur Sitzweil: "Wo überm Regenstrand der Haidstein schaut ins Land, da grüßt zum Himmel auf Zwiebelturm. Da ist die Heimat mein, könnt nirgends schöner sein. Bewahr der Himmel sie vor jedem Sturm, Schütz unsre Heimat, Herr, schütz Chamerau, erhalt den Frieden unserm ganzen Gau. Einst ragt, stolz anzusehn - ein Schloß auf steiler Höh'- doch hin ist all der Ritter Pracht und Tand. Ein steiner Zeuge nur - des Ritters letzte Spur, schimmernd umspült des Regens Wellental." Mit dem Blick afu Chamerau bei einem herrlichen Sonnenuntergang ging es wieder nach Hause, mit dem Vorsatz, diesen Abend im nächsten Jahr zu wiederholen.

Der Schlossbugl

Geschichte: Der Schloßbugl kann eine lange Geschichte bis in die Ritterzeit aufweisen. Auf ihm stand einmal die Burg von Chamerau. Er ist die markanteste Erhöhung von Chamerau.

Erwähnung: Er ist das Überbleibsel eines angesehenen Geschlechts im Oberen Bayerischen Wald vom 11. bis 15. Jahrhundert. Die erste bekannte Erwähnung stammt aus dem Jahr 1019.